Forensische Untersuchung bei Verdacht auf Veruntreuung

Vermögensabflüsse, Bestandsdifferenzen und missbräuchliche Berechtigungen aus Buchungs-, Prozess- und Systemspuren nachvollziehbar rekonstruieren.

Transaktionen, Berechtigungen und betriebliche Abläufe korrelieren

Verdächtige Zahlungen oder Fehlbestände lassen sich selten anhand eines einzelnen Buchungssatzes erklären. Entscheidend ist die Verbindung zwischen wirtschaftlichem Vorgang, Genehmigungsweg, Systemaktivität und tatsächlichem Leistungs- oder Warenfluss. Dabei werden auch Prozessfehler, unklare Zuständigkeiten und fehlerhafte Stammdaten als alternative Ursachen geprüft.

Abhängig vom Mandat können Haupt- und Nebenbuch, Kreditoren- und Debitorenstammdaten, Journalbuchungen, Zahlungsfreigaben, Bestandsbewegungen, Inventuren, Beschaffungsunterlagen, Rollenmodelle und technische Audit-Trails untersucht werden. Daten werden möglichst im Originalformat oder als nachvollziehbar erzeugter Export übernommen, gesichert und auf Vollständigkeit, Zeitbezug sowie interne Konsistenz geprüft.

Analyse betrieblicher Zahlungs-, Bestands- und Zugriffsbewegungen

Finanzspur und digitale Audit-Spur gemeinsam auswerten

Aus Beweisfrage, Zeitraum und Risikobereichen entsteht zunächst ein Untersuchungsmodell. Auffällige Konten, Empfänger, Buchungstexte, Rundbeträge, Splittungen, Stornos, Wochenendaktivitäten oder Änderungen an Stammdaten werden nicht isoliert bewertet, sondern mit Freigaben, Verträgen, Lieferscheinen und tatsächlichen Zugriffsrechten abgeglichen.

Einordnung beweisrelevanter Feststellungen
Vermögensbewegungen und Verantwortlichkeiten strukturiert rekonstruieren

Relevante Belege und Systemauszüge werden mit Herkunft, Erstellungsweg und gegebenenfalls Prüfsumme dokumentiert. Die Auswertung trennt gesicherte Transaktionen, Indizien, widersprüchliche Angaben und offene Punkte. Eine mögliche rechtliche Einordnung – etwa nach §§ 246, 263 oder 266 StGB – bleibt der juristischen Bewertung des konkreten Einzelfalls vorbehalten.

Forensische Prüfansätze bei Vermögensdifferenzen

  • Transaktions-, Journal- und Kontenanalysen für den definierten Zeitraum
  • Prüfung von Freigabeketten, Funktionstrennung und privilegierten Berechtigungen
  • Abgleich von Buchung, Vertrag, Lieferung, Bestand und Zahlungsempfänger
  • Sicherung relevanter Dateien, Protokolle und Exporte mit dokumentierter Herkunft
  • Untersuchungsbericht oder Gutachten mit quantifiziertem Schadenbild und Befundgrenzen

HÄUFIGE FRAGEN

Häufig gestellte Fragen

Konkrete Antworten zu Ablauf, Voraussetzungen, Beweissicherung und fachlichen Grenzen.

Was sollte bei einem Verdacht auf Veruntreuung zuerst gesichert werden?

Zugriffs- und Berechtigungsstände, Buchungsdaten, relevante Kommunikation, Verträge, Freigaben und Datenträger sollten kontrolliert erhalten werden. Unkoordinierte Kontosperren, Löschungen oder Konfrontationen können Spuren verändern; notwendige Schutzmaßnahmen werden mit IT, Rechtsbeistand und Verantwortlichen abgestimmt.

Welche Datenquellen können korreliert werden?

Je nach Auftrag kommen Finanz- und Warenbewegungen, Benutzer- und Zugriffsprotokolle, E-Mail- und Dateisystemartefakte, Freigabeketten und physische Übergaben in Betracht. Jede Quelle wird auf Herkunft, Vollständigkeit und Zeitbezug geprüft.

Wie werden Beschäftigtendaten rechtmäßig behandelt?

Die Untersuchung wird auf konkrete tatsächliche Anhaltspunkte, betroffene Systeme und relevante Zeiträume begrenzt. Erforderlichkeit, Verhältnismäßigkeit, Datenschutz und Beteiligungsrechte sind vor der Auswertung verbindlich zu klären.

Kann die Untersuchung mit einem Gutachten abgeschlossen werden?

Bei geeigneter Beweisfrage kann neben dem Untersuchungsbericht ein strukturiertes Gutachten erstellt werden. Es beschreibt Sicherung, Methodik, Prüfsummen, Befunde, alternative Erklärungen und Aussagegrenzen; die rechtliche Würdigung bleibt den zuständigen Stellen vorbehalten.